Wo sind die lebenden Zwischenformen?

Häufig wird von den Evolutionskritikern das Argument bemüht, dass die Paläontologie (Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter) jede Menge Zwischenformen finden müsste, wie etwa beim Urvogel Archaeopteryx, da aus einer Art nicht plötzlich eine völlig andere Art entstehen kann.
Nur über verschiedene Zwischenstadien, die alle einen (auch mit neutralen Zwischenschritten) Selektionsvorteil haben müssen, sollen neue Arten entstehen können (z.B. aus Schuppen werden Vogelfedern).


Zurecht entgegnen die Evolutionsbiologen, dass die Zwischenformen gegenüber den stabilen Endformen zahlenmäßig vernachlässigbar sind und deshalb die Wahrscheinlichkeit, solche Zwischenformen zu finden, sehr klein ist. Zusätzlich ist der relativ schnelle organische Verfall ein weiteres Hindernis für das Auffinden von Zwischenformen.
Aber über diese seltenen Zwischenformen, von denen Evolutionskritiker behaupten, dass es gar keine sind, muss man gar nicht streiten.

Dazu schauen wir uns zuerst die von der Natur kopierte Evolutionsstrategie in der Technik an:

Evolutionsstrategien in der Technik.jpg

Abbildung 19: 
Evolutionsstrategie in der Technik

Techniker haben sich die Evolutionsstrategie zunutze gemacht, um optimale technische Konstruktionen zu erhalten.

Im Beispiel (s. Abb. 19) wurde eine Düse mit einem Ausgangs-Wirkungsgrad von 55 % in Scheiben zerschnitten. Analog zur biologischen Evolution wechselte man die Scheiben nach einem Zufallsprinzip und verglich den erreichten Wirkungsgrad mit dem vorhergehenden. Bei einer Verbesserung wurde die Änderung beibehalten, bei einer Verschlechterung wieder rückgängig gemacht. Nach nur 45 Schritten hatte die Düse die optimale Form mit einem Wirkungsgrad von 79 % erreicht. Diese Endform konnten die Techniker vorher nicht berechnen.


Auf den ersten Blick ist das genau die behauptete Evolutionsstrategie in der Natur. Die Techniker geben aber im Gegensatz zur Natur bewusst ein Ziel als Optimierungsfunktion vor und beenden die Versuche, wenn es zu keinen Verbesserungen mehr kommt.

Beispiel Ahornfrucht als Optimum für den Samenflug:

Ahornsamen3.jpg

Abbildung 20: Ahornfrucht

Der Ahornbaum kennt keine Optimierungsfunktion. Er lässt einfach seine Früchte fallen, ab diesem Moment fehlt also eine mögliche direkte Rückkopplung zum Baum. Entweder die Ahornfrüchte mit ihrem Samen fliegen aufgrund der guten aerodynamischen Eigenschaften möglichst weit weg, um damit einen Selektionsvorteil zu erlangen, oder sie haben noch nicht die optimale Form und können weiter über Mutationsschritte verbessert oder wieder verschlechtert werden. Aber wenn sie bereits eine optimale Form haben, gibt es eigentlich nach der Evolutionsbiologie keine auf ein Ziel hin gerichtete Instanz, die weitere Mutationen verhindern könnte. Wir hätten nach der Theorie nicht nur optimale Ahornfrüchte, sondern jede Menge neuer Übergangsformen für alle Varianten, die nicht mehr optimal sind und im Laufe der Zeit eliminiert, d. h. ausselektiert werden. Auch wenn die suboptimalen Typen nur schlechte Fortpflanzungsbedingungen haben, die Evolutionsmechanismen kennen keinen Stillstand.


Am Beispiel der Ahornfrucht sehen wir, dass es heute eine unendliche Fülle von neuen Zwischenformen geben müsste, egal ob sie zu besseren oder schlechteren Formen führen werden.
Z. B. eine Maus mit Giftspritze gegen Katzen oder den lautlosen Mückenflug, da doch wegen der vielen totgeschlagenen Mücken ein erheblicher "Selektionsdruck" besteht.