Der vergessene Rahmen der Naturwissenschaften

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Die Naturwissenschaften haben eine Jahrtausende alte Geschichte und Tradition. Diese wechselvolle Geschichte ist Thema vieler Publikationen, aber nicht dieses Beitrages. Bekannt und offensichtlich ist auch, dass die Naturwissenschaften Grenzen haben, die oft selbst auferlegt sind. Hier eine Aufzählung aus der Dissertation von Stefan Korte an der Universität Osnabrück zum Thema "Die Grenzen der Naturwissenschaft als Thema des Physikunterrichts":

Abbildung 1: Geozentrisches Weltbild

Naturwissenschaftliche Theorien

 

  • lassen sich nicht ableiten oder beweisen, sondern höchstens widerlegen,

  • sind unsicher und können sich fundamental wandeln,

  • lassen sich sowohl hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit den Erfahrungstatsachen als auch anderer Qualitätskriterien nicht völlig eindeutig und objektiv beurteilen,

  • werden in ihrer Struktur, ihren Inhalten und ihrem Wandel in beträchtlichem Maße durch gesellschaftliche Faktoren beeinflusst.

Natürlich haben sich viele naturwissenschaftliche Theorien als sehr produktiv und stabil in der Forschung erwiesen und bewährt. Sie haben aber nicht den Status einer unumstößlichen Tatsache.

Ich möchte passend zum Punkt "Der vergessene Rahmen der Naturwissenschaft" etwa 100 Jahre zurückblicken und auf einige Besonderheiten aufmerksam machen:


Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. bis weit in die 1920er Jahre wurden Vereinigungen und Lehrstühle an Universitäten gegründet, in denen sich auch bedeutende Wissenschaftler mit außergewöhnlichen Phänomen wie Telepathie, Telekinese und Spukerscheinungen beschäftigt haben. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die britische Gesellschaft für psychische Forschungen (Society for Psychical Research - SPR), die bis heute existiert. Diese Gesellschaft hat Tausende Fälle paranormaler Phänomene nach strengen Maßstäben in ihren Journalen dokumentiert.

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Abbildung 2: Parapsychologie in Deutschland

In Deutschland gründeten 1886 der Arzt Albert Freiherr von Schrenck-Notzing und der Philosoph Carl du Prel die Psychologische Gesellschaft in München. Sie führte Untersuchungen zur Hypnose und zur Telekinese durch. Vor allem die gut dokumentierten Telekinese-Versuche in den 1920er und 1930er Jahren an der Münchener Universität, die Schrenck-Notzing im Beisein von Ärzten und Prominenten vorführte, machten die Parapsychologie in Deutschland bekannt.


Der 1991 verstorbene Parapsychologie-Professor Hans Bender gründete 1950 in Freiburg im Breisgau das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene.


Wikipedia (Stand Oktober 2020) schreibt u. a. über ihn:


"Ein von Bender geprägter Begriff ist die sogenannte Gleichförmigkeit des Okkulten, sprich der Umstand, dass von Phänomenen wie Telepathie, Hellsehen, Präkognition, Spuk und Psychokinese seit der Antike bis in die Gegenwart in allen Epochen und in den unterschiedlichsten Kulturen und Regionen der Erde berichtet wird, während Alter, Bildungsstand und sozialer Status dabei keine Rolle zu spielen scheinen. Bender wertete dies als Argument dafür, dass diesen Phänomenen objektive, wenn auch noch unbekannte Eigenschaften der Realität zu Grunde liegen würden. Er sah in dieser möglichen Gleichförmigkeit der historischen, kulturellen, geografischen und persönlichen Erfahrung einen Beleg dafür, dass die parapsychischen Erscheinungen keine nur durch Mythos und Tradition entstandene und überlieferte Vorstellungen seien, denen keine objektive Wirklichkeit entspreche, sondern individuelle, tatsächliche Erfahrungen des Einzelnen, denen objektive, wenn auch unbekannte Eigenschaften der Realität zu Grunde liegen würden."

Der Physiker und Psychologe Dr. Dr. Walter von Lucadou, Schüler von Bender, gründete 1989 ebenfalls in Freiburg die "Parapsychologische Beratungsstelle der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie". Er sieht die paranormalen Vorgänge wie Telepathie, Hellsehen und Psychokinese u. a. als quantenmechanische Verschränkungsprozesse. Diese über Jahre vom Land Baden-Württemberg finanziell unterstützte Beratungsstelle erhält jährlich Tausende Anfragen und Hinweise auf derartige Vorfälle.


Eine positive und sehr fundierte Bestandsaufnahme der historischen und aktuellen Parapsychologie ist in dem lesenswerten Buch "Evolution und Parapsychologie als Grundlagen für eine neue Biologie und die Wiederbelebung des Vitalismus" des Biologen Dr. Michael Nahm enthalten. Auch Dr. Armin Köhler zeigt in seinem Buch "Sowohl – als auch“ – Versuch einer Synthese von Naturwissenschaft und Spiritualität – 1. und 2. Band (ISBN 978-3-941394-90-2, OsirisDruck Leipzig, 2020) die Verträglichkeit von Wissenschaft und Spiritualität auf.

Warum werden noch heute diese vielfach nachgewiesenen paranormalen Phänomene meistens als Täuschung, Betrug und nicht existent beschrieben?
Sie sind sehr diffizil, weil

 

  • sie hochgradig zeit-, orts- und personenbezogen sind

  • die Einstellung des Experimentators einen markanten Einfluss auf diesbezügliche Experimente hat.

Eine feste Basis naturwissenschaftlicher Arbeit ist die Reproduzierbarkeit und Objektivität der Phänomene, sie sollten also unabhängig vom Experimentator sein.
Weil diese meiner Meinung nach realen und damit natürlichen Phänomene so schwierig bis unmöglich in das wissenschaftliche Konzept passen, hat man sie kurzerhand aus der normalen Naturwissenschaft (Wissenschaft davon, was wir von der Natur wissen) verbannt und werden von der Öffentlichkeit als unwissenschaftlich und als Aberglauben gebrandmarkt. Begriffe wie Para- oder Pseudowissenschaft sind beliebte Bezeichnungen, um möglichst die Beschäftigung damit gleich zu unterbinden. In der heutigen Naturwissenschaft, die vielfach nach ökonomisch und industriell verwertbaren Gesichtspunkten unterstützt wird, ist es fast aussichtslos, Forschungsgelder zur Untersuchung dieser Phänomene zu bekommen. Trotzdem gibt es auch heute noch Universitäten und andere Forschungseinrichtungen, die sich weiterhin mit Erfolg der Untersuchung dieses Teils unserer Natur beschäftigen.


Und das meine ich mit dem vergessenen Rahmen der Naturwissenschaft. Da werden aufgrund aufgestellter und akzeptierter Methoden, Prinzipien und Leitsätzen der wissenschaftlichen Forschung wie eben z. B. die objektive Reproduzierbarkeit der Ergebnisse, einfach wesentliche Bestandteile der Natur ausgeklammert und ignoriert. Das ist doch im eigentlichen Sinn dann keine Naturwissenschaft mehr. 
Kurzerhand werden diese Phänomene als übernatürlich bezeichnet und abgelehnt, nur weil wir den Naturbegriff unzulässig eingegrenzt haben. Für die Erforschung dieser Phänomene ist es wichtig, die Forschungsmethoden auch diesem Teil der Natur anzupassen. Diese Experimente sind, wie erwähnt, z. B. nicht unabhängig von der Einstellung des Experimentators, weil hier psychische Komponenten einen großen Einfluss haben.


Ein beliebtes Argument für das Ignorieren dieses Teils unserer Natur ist die Feststellung, dass es dazu keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Natürlich nicht, da sich die Naturwissenschaften nicht darum kümmern, die Beschäftigung damit vehement meidet und mittlerweile völlig inkompetent in Fragen dieser Phänomene ist. Der Begriff unwissenschaftlich assoziiert für viele bereits jedenfalls nichts Gutes, für mich eher ein Zeichen dafür, gerade deshalb genauer hinzuschauen, da sich hier oft wegweisende Felder unserer Realität offenbaren.
Kommen wir nun zu beispielhaften aktuellen Forschungen, die zum Glück dieses enge Korsett der Naturwissenschaft sprengen.