Grundlagen und erste Ungereimtheiten der Evolutionsbiologie

Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der genetischen Codierung werden einige grundlegende Widersprüche der Theorien zu den Fakten aufgezeigt.

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Für die folgenden Kritikpunkte nehme ich bewusst die Sichtweise von Evolutionsbiologen ein. Diese besteht darin, dass sich die biologische Evolution allein aus den physikalischen und chemischen Naturgesetzen, Zufällen sowie langen Zeiträumen, der Selbstorganisation und den Evolutionsfaktoren erklären lässt. Denn nur aus dieser Sichtweise heraus treten die logischen Fehler und Widersprüche von selbst zutage.
Die Kritikpunkte setzen zu ihrem Verständnis Grundlagen der Genetik und vor allem vom Aufbau der DNS voraus.
Daher hier eine extrem kurze Darstellung des Schulwissens.

Die nebenstehende Form der Doppelhelix kennt nun sicher jeder, deren grundsätzlichen Aufbau schauen wir uns weiter unten an.

Abbildung 3: Die gewundene DNS - Doppelhelix

Chromosomen-DNS.jpg

Beim Menschen ist die DNS auf 46 Chromosomen verteilt und liegt hochkompakt im Zellkern gespeichert. Wie im Bild ersichtlich, ist der DNS-Strang noch um Histone gewickelt. Erst wenn alles "entfitzt" ist, sieht man die Doppelhelix mit ihren Basenpaaren:

Abbildung 4: Chromosomen im Zellkern

Basentriplett_modifiziert2.jpg

Für die 21 Aminosäuren, die für die Synthese von Proteinen benötigt werden, werden drei Basenpaare als Wort zusammengefasst, da 4 hoch 3 = 64 Kombinationsmöglichkeiten nötig sind. Somit gibt es einige Redundanzen in den Tripletts. Wichtig ist die Tatsache, dass ein DNS-Wort
(= 3 Basenpaare) eine Aminosäure codiert. Für die Entschlüsselung der Tripletts gibt es eine praktische Codesonne (s. Abb. 6):

Abbildung 5: Basentripletts

DNA-Codesonne.png

Die Codesonne ist für mRNA, also der einzelsträngigen Kopie eines DNS-Abschnittes entwickelt worden. In der mRNA ist die Base Thymin während der Transkription durch Uracil ersetzt worden

(DNS=Thymin, mRNA=Uracil).

Die Buchstaben eines Tripletts werden hier von innen nach außen gelesen, um die passende Aminosäure zu erhalten.
So steht z. B. das RNS-Wort AAA für die Aminosäure Lysin.
So gibt es noch besondere Kombinationen für den Beginn einer Gensequenz (AUG, [=ATG in der DNS]) bzw. drei Tripletts, die als Stoppsequenz fungieren.

Beispiel einer Gensequenz (s. Abb. 7):
 

Abbildung 6: Codesonne

DNA-Nukleotidsequenz.png

Abbildung 7 Gensequenz

Wie entsteht nun aus einem Gen ein fertiges Protein? Dazu gibt es ein Video, das diesen Vorgang extrem vereinfacht aufzeigt:

Der Weg von der Codesequenz zum Protein

Die frühere Vorstellung "Ein Gen entspricht einem Protein" ist längst überholt, da der Mensch etwa 30.000 Gene besitzt, dem ein Proteom (Gesamtheit der Proteine) mit geschätzten hunderttausenden Proteinen gegenübersteht. So gibt es raffinierte molekulare Mechanismen, um aus relativ wenigen Genen alle Proteine herstellen zu können.
Schauen wir uns dazu einige Genome von Lebewesen an (Zahlen variieren leicht je nach Quelle):

Genomvergleich.jpg

Abbildung 8: Vergleich einiger Genome

Darüber waren auch die Genetiker erstaunt, sollte doch der hochkomplexe Mensch wesentlich mehr Gene als z. B. eine Maus besitzen.
Behauptet man, dass in der DNS der Bauplan gespeichert ist, dann kann man sich schon darüber wundern. Weiß man hingegen und das ist eben offensichtlich, dass in jeder DNS "nur" die Baupläne der elementaren Bestandteile eines Organismus gespeichert sind, dann wundert es eben nicht mehr, dass die Maus etwa gleich viele Basenpaare enthält. Die Bauanleitung für ein bestimmtes Protein ist natürlich für die verschiedenen Organismen gleich. Da nur ein sehr kleiner Teil des Genoms für Proteine codiert, stellt sich automatisch die Frage nach der Funktion des restlichen Teils des Genoms.

Junk-DNS.png

Abbildung 9: Junk-DNS

Über 98% der DNS dienen nicht direkt der Proteincodierung. Diesen Großteil der DNS hat man früher einfach als Junk-DNS, als Müll bezeichnet. In diesen nicht codierenden Abschnitten der DNS sind sehr viele Genregulatoren (Genschalter) gefunden worden. Die nicht-codierenden Abschnitte innerhalb der Gene (Introns) bilden bereits ein Drittel der gesamten DNS-Sequenz. Der Rest, die so genannte dunkle Gen-Materie ist zunehmend Gegenstand der Forschung. Ca. 19.000 Pseudogene sind darin bereits gefunden worden. Wiederholungseinheiten spiegeln auch die evolutionäre Entwicklung des Genoms wider. Es gibt auch springende Gene, die sich entweder an eine andere Stelle des Genoms kopieren oder ganz den Platz in der DNS wechseln. So hat die Forschung ergeben, dass durchaus die vorher als Junk-DNS bezeichneten Teile der DNS ihren sinnvollen Beitrag leisten. Ein Großteil dieser 98% ist mehr oder weniger mit der Beeinflussung der Genaktivitäten beschäftigt, d. h. diese Teile des Genoms beeinflussen z. T. erheblich, ob ein Protein hergestellt wird oder nicht.
Anhand der unzähligen Genschalter stellt sich natürlich die Frage, wer steht am Gen-Schaltpult und stellt wann und warum die Schalter auf Ein oder Aus?
Eins ist jedoch klar: Ein Genom dient vorrangig als Ausgangsbasis zur Herstellung von Proteinen.

Widerspruch: Die sehr häufig getroffene generelle Aussage, dass Gene den Bauplan des Lebens beinhalten, findet keine Entsprechung im Genom.

Jede Zelle benötigt Proteine, daher enthält auch jede Zelle im Zellkern eine Kopie der DNS. Sollte rein theoretisch der Bauplan eines Organismus in der DNS enthalten sein, warum sollte dieser Bauplan billionenfach auf jede Zelle des Menschen verteilt sein?
Außerdem bräuchte so ein Bauplan im Zellkern einen ganz anderen Lesemechanismus und eine rätselhafte Fernübertragung der Anweisungen beim Aufbau des Organismus. Doch dazu später etwas mehr.

Noch einmal kurz zu den sogenannten springenden Genen.
Es wird gesagt (Spektrum Spezial: Der Menschen-Code, S. 22):


"Transponierbare Elemente enthalten alle notwendigen Informationen, um sich aus ihrer Wirts-DNS herauszuschneiden und an anderer Stelle wieder einzufügen."


Diese Quelle enthält kein Wort über die Herkunft der Information und auch nicht darüber, warum plötzlich diese Genabschnitte ihren Ort im Genom wechseln können.
Hierzu ein Beispiel aus der Computerwelt: Hat jemand eine Frage z. B. zu einer Textverarbeitung, dann kann die Darstellung am Monitor von einem Fachmann an einem ganz anderen Ort an einem anderen Computer parallel angeschaut werden. Der Fachmann kann über diese Fernwartung selbst über seine Tastatur und seine Maus in das Geschehen am entfernten Computer eingreifen. Das sind die guten Hacker:

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Abbildung 10: Fernwartung am Computer

Schaut man sich nun das Geschehen am ferngesteuerten Computer an, dann ist man erstaunt, wie plötzlich Texte markiert, kopiert oder ausgeschnitten und dann an anderer Stelle im Text wieder eingefügt werden. Wer den Zusammenhang zwischen den beiden Computern nicht versteht, gerät leicht in die gleichen Erklärungsmuster wie die Genetiker:


"Markierte Textstellen enthalten alle notwendigen Informationen, um sich aus ihrer Textumgebung herauszuschneiden und an anderer Stelle wieder einzufügen."

Wechseln wir zu einem anderen Thema und schauen uns dazu die Taufliege (Drosophila melanogaster) an:

Fliegen-Portrait.jpg

Abbildung 11: Drosophila melanogaster

Bei der Taufliege mit ihren knapp 20.000 Genen, wegen ihrer schnellen Vermehrung als Modellorganismus gut für Genetiker geeignet, wurde fast jedes einzelne Gen "ausgeknipst", um die Auswirkungen zu untersuchen.
Dabei entstanden krankhafte Fliegen, denen ein oder mehrere wichtige Proteine fehlten. Aber auch Mutanten, die z. T. bizarre Anordnungen von Gliedmaßen aufwiesen.
In der Ontogenese (Entwicklung eines Einzelwesens) müssen sich die Zellen teilen, differenzieren, zu komplexen Gebilden vereinen und sich in einer genauen räumlichen Ordnung einfinden. Wo z. B. sollte in den Gensequenzen die Information verankert sein, welche Proteine in wie viel Schichten und in welcher räumlichen Anordnung den Fliegenflügel bilden?
In der Zeitschrift Spektrum Spezial 2.17 zu "Grenzfragen der Genetik" fand ich auf Seite 28 die Aussage:


"Aber selbstverständlich ist eine Fliege oder eine Fledermaus nicht lediglich die Summe ihrer Gene. Erst eine räumlich und zeitlich gesteuerte Genaktivierung verhilft dazu, dass aus einer Eizelle ein Embryo wird und daraus etwa eine Fliege. Auch Beine und Flügel müssen an den richtigen Stellen wachsen."

Eine räumlich und zeitlich gesteuerte Genaktivierung erzeugt Proteine und keinen Organismus.
Es gibt keine physikalischen oder chemischen Naturgesetze in diesen molekularen Dimensionen, die von selbst aus Proteinen Organe und ganze Organismen wachsen lassen! Die Gene sind dazu auch nicht in der Lage.
Die Forscher klärten angeblich an der Fruchtfliege die grundlegenden genetischen Steuerungsmechanismen in der Embryonalentwicklung auf.
Hier ein kurzer Ausschnitt aus einer alten "Wissenschaftssendung" zur Bildung von Organismen:

Sogennante Entwicklungsgene

Dr. Bublath zur Evolution (nicht für Vollbild geeignet)

Wie heißt es so schön im Film:


"Die Fliegenentstehung folgt einem genauen Plan. Gene werden an- und abgeschaltet. Jedes Körpersegment erhält genau die Anweisungen, die für seine Entwicklung notwendig sind. Forscher haben die wichtigsten Gene für diesen Prozess identifiziert. Die Überraschung: Nur einige wenige Schlüsselgene steuern den gesamten Ablauf."

Selbstverständlich muss jedes Körpersegment genaue Anweisungen erhalten, um sich in die richtige Form zu entwickeln. Doch wenn Gene an- oder abgeschaltet werden, entstehen Proteine oder eben keine. Die Gene enthalten keine Informationen über das Aussehen und das Werden von Körpersegmenten. Wenn nur wenige Schlüsselgene den gesamten Ablauf steuern sollten, dann fragt man sich doch, in welcher mystischen Kommunikation diese Gene im Zellkern mit dem Geschehen außerhalb der Zelle verbunden sind. Woher nimmt der Organismus die Informationen, wie genau ein Körpersegment aufzubauen ist?

Wir finden im Genom nur codierte Anweisungen zur Herstellung von Proteinen bzw. Regulatoren, die ein Gen aktivieren oder deaktivieren. Im Genom gibt es keine molekularen Informationen über einen Bauplan eines Organismus, wie z. B. eine Fruchtfliege zu entstehen hat. Wir haben hier also einen klassischen Widerspruch der Evolutionsbiologie:


Im Genom gibt es aus genetischer Sicht keine Informationen, wie die Embryonalentwicklung abzulaufen hat, und doch gibt es irgendeinen Zusammenhang zwischen Genom und Ontogenese. Die Genetiker ignorieren einfach diesen Widerspruch oder sehen ihn nicht einmal.

Wir wissen z. B., dass unser Gehirn an den Blutkreislauf angeschlossen ist, um es mit Nährstoffen und Energie zu versorgen. Weiterhin ist bekannt, dass das Gehirn über das Rückenmark und den vielen peripheren Nervenbahnen mit den vielen Muskeln, Organen usw. verbunden ist, damit es Steuerungsprozesse und die Signalübermittlungen übernehmen kann.
Hätten wir ein Gehirn, das sichtbar mit dem Blutkreislauf verbunden ist und dessen Nerven- verbindungen unsichtbar wären, dann wäre uns klar, dass es seine Aufgabe so nicht erledigen kann. Wir müssten also eine noch unerklärliche Verbindung des Gehirns mit dem Rest des Körpers postulieren. Wenn wir aber von den Genen im Zellkern wissen, dass sie über keine Signal-leitungen zum Geschehen außerhalb des Zellkerns und der Zelle verfügen, warum wird dann immer noch behauptet, dass eine räumlich und zeitlich gesteuerte Genaktivierung den Aufbau des Organismus steuert?
Folgerichtig wäre doch die Annahme, dass es erstens einen bisher unbekannten Informationspool als Bauplan des Organismus geben muss und dass zweitens dieser Informationspool direkt in das Geschehen während der Embryonalentwicklung eingreifen kann - egal, welcher Natur diese zusätzliche und notwendige Annahme angehört.
Welche Gene in welchem Zellkern sollten sich mit einer geisterhaften Fernwirkung z. B. um den komplizierten Aufbau eines menschlichen Auges kümmern? Die entstehenden Zellen sind nicht von selbst in der Lage, sich zu einem fertigen Auge auszurichten:

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Abbildung 12: Querschnitt eines menschlichen Auges

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Abbildung 13: Retina - Netzhaut

Allein für den Aufbau eines Auges bedarf es eines umfassenden Bauplanes oder einer Art holografischer Mustervorlage. Nur diese können die Anweisungen enthalten, um alle daran benötigten Proteine und Zellen in der richtigen Anzahl herstellen und in der richtigen Reihenfolge am richtigen Ort platzieren zu lassen sowie deren Vernetzung sicherzustellen - ganz zu schweigen vom hochkomplexen und unbekannten Algorithmus, um aus den unzähligen Signalen im Sehzentrum des Gehirns ein wahrnehmbares Bild entstehen zu lassen.
Aus biochemischer Sicht gibt es dazu keine molekularen Mechanismen und keine Informationen in den Genen. Die Gene im Zellkern senden keine Anweisungen nach draußen, wie sich die produzierten Proteine oder die sich teilenden Zellen wie und wo zu einer höheren Einheit zusammenschließen sollen.


Wir haben gesehen, dass die codierten Informationen für die Synthese eines Proteins innerhalb des Zellkerns ausgelesen werden. Im Zellplasma gibt es molekulare Mechanismen (Ribosomen), die aus diesen Informationen und der Träger-RNS die Proteine erzeugen.
Wenn in der DNS Informationen für den Bauplan eines Organismus codiert sein sollten, dann müssten auch diese DNS-Abschnitte ausgelesen und zu einer anderen Weiterverarbeitung in das Zellplasma gebracht werden. Dieser Vorgang wäre den Molekularbiologen garantiert aufgefallen. Außerdem wäre für die Codierung des vollständigen Aufbaus eines Organismus eine gigantisch lange DNS-Sequenz notwendig mit völlig anderen Mechanismen zur weiteren Verarbeitung dieser Informationen. Diese andere Bauplan-Codierung würde zudem einen immensen informationstheoretischen Aufwand erfordern.


Wer ist hier der Dirigent des großen Lebensorchesters in der Sinfonie der Ontogenese? Ein Blick in einen anatomischen Atlas zeigt den hochkomplexen Aufbau des Menschen, den wir in der bisherigen Sicht nicht als Codierung in der DNS finden können.

Zur Morphogenese (Formentstehung) gibt es einen interessanten Film. Hier ein Ausschnitt dazu:

Morphogenese

Kurze Videosequenz zur Morphogenese

Die Entwicklungsbiologin Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard liefert mit ihren Signalmolekülen überhaupt keine Erklärung, worauf die Formentstehung basiert. Da werden Signale und Konzentrationen festgestellt, doch die grundlegende Frage, woher die Informationen über die Formentwicklung (s. menschliches Auge) kommen, stellt sie sich nicht einmal. Ganz anders und plausibel erklärt Prof. Rupert Sheldrake die Formentwicklung über morphische Felder. Damit setzt er die Reihe der Biologen fort, die bereits vor etwa 100 Jahren solch ein Feld als notwendige Grundlage postulierten.
Das ist in einer Doku des öffentlichen Fernsehens neu, da die Theorie von Prof. Sheldrake immer noch offiziell lächerlich gemacht wird.
Wikipedia:


"Sheldrakes Hypothesen, in der Wissenschaftsgemeinde nach anfänglichem Interesse im Wesentlichen ignoriert, werden als pseudowissenschaftlich angesehen. Einige Quantenphysiker, darunter David Bohm und Hans-Peter Dürr, haben für eine ernsthafte Untersuchung der Hypothese plädiert. Auch im parawissenschaftlichen Bereich, insbesondere im Umfeld der New-Age-Bewegung, erfährt sie weiterhin großes Interesse."

Hier wieder eine typische Abschiebung unbequemer Theorien in die pseudowissenschaftliche und esoterische Ecke.

Im Heft Spektrum Spezial - Grenzfragen der Genetik, S. 29, wird über eine Nah- und Fernwirkung von genetischen Transkriptionsfaktoren und Transkriptionsverstärkern geschrieben:


"Die Forscher vermuten, dass die raumzeitlich koordinierte Zelldifferenzierung während der Entwicklung eines Tieres wesentlich auf einer derartigen ‚Fernsteuerung' beruht."


Wieso können Gene eine Art Fernsteuerung zu anderen Genen oder zum Geschehen außerhalb des Zellkerns vornehmen? Was hat diese angebliche Fernsteuerung mit einer Zelldifferenzierung zu tun? Gibt es doch so etwas wie Telepathie in der Zelle? Bereits die Zelldifferenzierung von einer Stammzelle zu einer der über 200 spezialisierten Zelltypen eines Menschen verlangt eine Informationsquelle, wie und wann bei der Zelldifferenzierung eine neue Zelle mit neuen Eigenschaften, Bestandteilen und Funktionen entsteht. Die bisherige Erklärung durch spezielle Steuerungs- und Signal-Proteine lässt völlig offen, wo und wie die Informationen dazu gespeichert sind. Es ist eine sehr enge biochemische Sicht vorherrschend, während die dazu notwendigen Informationsprozesse und Codierungen völlig ausgeblendet werden.
Die Enzyme, die z. B. die DNS-Doppelhelix aufspalten, müssen genau wissen, wo sie den Startpunkt für den Codeabschnitt auf der DNS finden. Sie müssen auch einen Erkennungsmechanismus enthalten, damit sie an den Stopp-Sequenzen den Prozess abschließen. Ohne Informationsverarbeitung irgendwelcher Art geht das nicht.
Wenn die Zelle ein Protein benötigt, dann ist eine Information darüber notwendig, welches Chromosom die Codierung dafür enthält. Dieses Chromosom muss sich entfalten, damit das Enzym zur Aufspaltung an der richtigen Stelle sich andocken kann.
Die Enzyme allein können das nicht leisten.


Wenn z. B. aus einer Stammzelle neuronale Stammzellen und daraus spezialisierte Neuronen entstehen sollen, dann sind dafür genaue und detaillierte Anweisungen notwendig, die nicht in den Genen codiert sind. Woher wissen also die Zellen bei der Zellteilung, wann und wie sie sich entwickeln sollen? Wer sich die Phasen einer Zellteilung genau anschaut, stellt schnell fest, dass es intrazelluläre Mechanismen gibt, die den Ablauf der Zellteilung kontrollieren. Daran sind z. B. spezielle Signalproteine beteiligt. Der Ablauf ist den Wissenschaftlern relativ gut bekannt, doch niemand fragt nach der Herkunft der Informationen, die dazu notwendig sind. Ohne Informationsprozesse gibt es keine Kontrollmechanismen. Woher bezieht die Zelle also die notwendigen Informationen? Wie in vielen anderen genetischen Bereichen wird der Aspekt der Informationsverarbeitung sträflich vernachlässigt. Da wird einfach von Signalproteinen gesprochen und dabei vergessen, dass Signale vereinbart und verarbeitet werden müssen, um daraus Informationen über das System abzuleiten, damit letztlich ein gewünschtes Ergebnis erreicht werden kann.

Ich stelle hier nicht einfach Fragen, die die Biologie heute noch nicht beantworten kann, sondern vergleiche die Hypothesen mit den Tatsachen, die jeder überprüfen kann. Und die Tatsachen lassen die Theorie als falsch erkennen.
Hier noch ein Bild, das die relativ simple Struktur der DNS aufzeigt:

DNS-Struktur.png

Am Rückgrat eines DNS-Strangs (Zucker und Phosphatrest) hängt jeweils eine Base (A, T, C, G), die über eine Wasserstoffbrücke mit der entsprechenden Base des anderen Strangs gekoppelt ist.

Abbildung 14: DNS-Struktur

Schauen wir uns jetzt eine wichtige Aussage der Genetiker an (aus: Heinz Penzlin "Das Phänomen Leben - Grundfragen der Theoretischen Biologie", Springer-Verlag 2013, 2016 2. Auflage, ISBN 978-3-662-48128-8, S. 360):
Genome sind keine Konglomerate von Genen, sondern hierarchisch strukturierte, hochkomplexe interaktive Netzwerke.

 

Schaut man sich die zusammengeknäuelten DNS-Fäden in den Chromosomen an, dann fehlen doch jegliche Mechanismen für ein Genom als "hierarchisch strukturiertes, hochkomplexes interaktives Netzwerk". Wenigstens Signalquellen, Signalleitungen und Signalempfänger analog zum Nervensystem sollten als Basis für so ein Netzwerk vorhanden sein oder vielleicht doch drahtlos?
So stelle ich erstens fest, dass Fähigkeiten in das Genom hineingedeutet werden, für die keine adäquaten Mechanismen vorhanden sind. Zweitens ist der hochkomplexe Bauplan eines Lebewesens nicht im Genom zu finden und auch der Begriff Selbstorganisation taugt nichts, um einen Menschen von der befruchteten Eizelle bis zum Baby entwickeln zu lassen.


Hier einige weitere Behauptungen zur Genetik des Menschen:

  • Aus Spektrum der Wissenschaft Kompakt - Das Genom des Menschen, S. 27:
    "Erbgut oder Umwelt - was beeinflusst uns stärker? Die Antwort scheint schon lange klar:
    Sowohl Genetik als auch Umwelt prägen unsere Wahrnehmung, Gedanken und Gefühle."

  • Weiter S. 44:
    "Gene regulieren die Psyche und den Stoffwechsel, und beide wirken sich auf die Ernährungsgewohnheiten aus. Daher überrascht es nicht, dass man etwa im Erbgut von Menschen mit besonders großer Neigung zu reichhaltigen Mahlzeiten auch bestimmte typische Varianten von Genen ausmachen kann, die dieses Verhalten steuern könnten."
    oder

  • "Kaffee ist das ungeschlagene Lieblingsgetränk der Deutschen. Wissenschaftler liefern jetzt einen weiteren Hinweis darauf, dass die Kaffeelust beim Menschen genetisch veranlagt ist."

Die Korrelation zweier Sachverhalte (DNS-Sequenzen - Verhalten) impliziert keine Kausalität zwischen ihnen!
Ein bekanntes Beispiel in der Statistik ist die Korrelation zwischen der Zahl der Geburten und der Zahl der Storchenpaare in verschiedenen europäischen Ländern. Obwohl es eine Korrelation zwischen der Zahl der Geburten und der Zahl der Storchenpaare gibt, existiert kein unmittelbarer kausaler Zusammenhang. Die Korrelation zwischen der Zahl der Geburten und der Storchenpaare kann durch eine weitere Variable erklärt werden, nämlich die Größe der Länder und deren Urbanisierung, die mit beiden Zahlen korrelieren.

Hier ein weiteres Beispiel mit einem hohen Korrelationskoeffizienten, wo scheinbar ein Zusammenhang hergestellt werden kann, der aber offensichtlich keine Kausalität darstellt:

Scheinkorrelation.jpg

Abbildung 15: Scheinkorrelation

Sehen wir uns einfach ein Beispiel aus der Astrophysik an:
Für die beobachtbare Umlaufgeschwindigkeit der Sterne um ihr galaktisches Zentrum kommt es zu erheblichen Differenzen zur berechneten Geschwindigkeit im Standardmodell. Also postuliert man eine unbekannte dunkle Materie, die beide Werte wieder ins Lot bringt.


Die Genetiker beobachten einen Zusammenhang zwischen DNS-Sequenzen und allen möglichen Dispositionen für Krankheiten und Verhaltensweisen, z. B. zur Neigung zu Alkoholismus. Doch aus den DNS-Informationen und allen bekannten biomolekularen Mechanismen kann kein Zusammenhang zur Embryonalentwicklung oder zu einigen Verhaltensweisen hergestellt werden. Anders wäre es mystisches und kein wissenschaftliches Denken. Analog zum astrophysikalischen Problem wäre doch die Postulierung z. B. eines unbekannten informationstragenden Feldes sinnvoll, um wieder eine Kontinuität zwischen den Beobachtungen und den Hypothesen herzustellen.


Da nützt auch nicht der Hinweis von Entwicklungsbiologen auf gefundene Miniaturkompasse aus Proteinen, um den Zellen eine Art Orientierungssinn zu geben (Spektrum Spezial 2.17 - Grenzfragen der Genetik, S. 30: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort).
Wenn ich z. B. die Tasten einer Fernbedienung betätige, um einen Senderwechsel am Fernseher auszulösen, dann weiß ich doch, dass mein Tastendruck nur der Auslöser für diesen Vorgang ist. Die im Gehäuse versteckte Elektronik einschließlich der drahtlosen Signalübertragung sind doch die entscheidenden Komponenten für den Senderwechsel. Im übertragenen Sinne würden die Genetiker dem Tastendruck und der Gummitaste den ganzen Mechanismus andichten.